Tsam Tanz
     

Inhalt:

Geschichtliche Entwichklung
Dieses Tanzspiel mit den Masken ist ein pantomimisches Mysterienspiel und dessen Aufführungen zählen zu den feierlichen Gottesdiensten der Buddhisten. Das Wort ist tibetischen Ursprungs und bedeutet "Tanz". Zusammenfassende Informationen betreffend dieser Maskenkultur in den lamaistischen Ländern gibt es nicht.

In Tibet wurden seit Urzeiten Mysterienspiele und Kulttänze abgehalten, bei denen prächtige Masken getragen werden. Zu bestimmten Festtagen des Jahres wird ein solches Maskenspiel aufgeführt. Daneben gibt es auch Zauberzeremonien (Tantrismus), bei denen man ebenfalls Masken verwendet. Das Spiel ist vermutlich ein Relikt uralter Fruchtbarkeits- und Bannrituale. Soweit wir die Frühzeit Tibets überblicken können, wurden Tanzspiele mit Masken anlässlich des Neujahrs- und Frühlingsfestes und auch bei der Sonnenwende gefeiert. In Schriften von Agwangchädub (ein Gelehrter und Haupt der Mönchsgemeinde, der im 19. Jahrhundert im Kloster von Urga lebte) wird erwähnt, dass diese Maskenspiele aus Indien stammen, wo im Altertum besondere Akteure (zum Teil Berufsschauspieler) mit Masken und in der Kleidung der Götter oder Dämonen tanzten und Dialoge vortrugen.

Der Uebergang von einer reinen Kulthandlung zum Theater hat mit diesen Wechselgesprächen im Tanzspiel begonnen. Aber hier durften nur die komischen oder menschlichen Rollen sprechen. Ferner kommen hier nicht mehr ausschliesslich Götter und Dämonen zur Darstellung, sondern auch Menschen. Zudem sind die Tänzer nicht mehr nur Mönche, sondern es sind auch Laien darunter. Damit ist besonders auf das Milaraspa-Tanz-Spiel hinzuweisen (mongolisch: Milaräba-Tsam).

Tanzspiele wurden aufgeführt zum:

  • Butterfest. Mit Butter gespeiste Lampen werden angezündet und aus Butter gefertigte Götterbilder zur Schau gestellt
  • Erinnerungsfest an den Tod der acht Heiligen aus dem Kloster Kumbum. Anlässlich seines Eroberungsfeldzuges nach Osttibet liess der chinesische Heerführer Mien Kung Ye (unter Kaiser Yung Cheng) die acht Heiligen in sein Zelt bitten und anschliessend die Köpfe abschlagen.
  • Erinnerungsfest an den Tod des Königs Langdarma, des letzten tibetischen Grosskönigs. Er war ein Anhänger der Bonreligion und ein großer Feind des Buddhismus. Der Rächer erstand in der Person des Mönchs Paldorje. Dieser näherte sich dem König auf Veranlassung der Schutzgöttin des Landes "Lhamo" in der Verkleidung eines Bontänzers und tötete ihn mit einem Giftpfeil.
  • Erinnerungsfest an die Himmelfahrt des Reformators Tsongkhapa, dem Gründer der "Gelben Kirche".
  • Erinnerungsfest an den Tag der ersten Aufführung eines Tsam-Spiels bei der Weihung des Klosters.
Die Hauptverbreitungsgebiete der "Gelben Kirche" waren vorab die Klöster in Nordtibet und später in der Mongolei.
 
   
  Tsam in der Mongolei
  Die Ostmongolen leben politisch gesehen auf chinesischem Gebiet, an der Grenze von Nordosttibet, zum Teil in Ost-Sinkiang und im Gebiet des Blauen Sees (Köke Nuur). Die Nordmongolen wohnen im Süden von Zentralsibirien und die Burjaten in der Hauptsache um den Baikalsee herum. Die West-Baikalier neigen noch zum Schamanentum. Die Süd-Baikalier oder Burjaten im Transbaikalgebiet haben den lamaistischen Glauben reformierter Prägung angenommen. Hier kennt man die Tsamspiele auch. Wie die Burmanen, Chinesen, Japaner, Kambotschaner, Koreaner, Siamesen, Sinhalesen, Tibeter und weitere Völker in Asien gehören die Mongolen zum indisch-buddhistischen Religionskreis. Die Kultur und Kunst Chinas haben in den vielen Jahrhunderten allgemein verbreitete Traditionen geschaffen, die diese Völker heute noch mit ihnen verbindet.

Die Mongolen sind Lamaisten und kennen das Tsamspiel daher ebenfalls. Hier ist das Verbreitungsgebiet der "Gelben Kirche". In den mongolischen Klöstern war die buddhistische Kunst, bis kurz vor ihrer Zerstörung in den 30iger-Jahren, sehr hoch entwickelt und hatte auch wahre Meister unter den Malern, Bildhauern, Architekten und sehr geschickten Handwerkern.

 
   
  Mongolische Tsam-Spiele
 

Milaraspa-Tsam
Dieser "Tsam" (mongolisch: Milaräba) ist nach dem tibetischen Eremiten "Mila" benannt worden. Ihm liegen Legenden aus dem Leben des berühmten Dichters und Einsiedlers der "roten Kirche", "Mila mit dem Baumwolltuch", zugrunde. Der "Tsam" enthält Wechselreden für die Schauspieler, welche auch in handgeschriebenen Textbüchern festgehalten wurden. Das bekannteste dieser Textbücher heisst: "Tanz des Donnerkeilbeschützers".

Geser-Tsam

Der Kriegsgott Geser galt als Schutzpatron der mandschurischen Kaiserfamilie, der Krieger und Herden. Er war der Garant für Jagdglück, der Vernichter der Feinde und Dämonen. Man nennt ihn auch "Sohn des Himmels".
Bekannte Aufführungen des Geser-Tsam:
- Im Westen, im Kloster des heiligen Chutuktu Ulaguksan und im Lehnkloster des Fürsten Dalai Tschoinchor-wan; diese beiden in der Nordmongolei, der heutigen Mongolischen Volksrepublik gelegenen Klöster hatten auch eine Fakultät zum Studium für Mystik.
- Im Osten der Mongolei im Kloster des Fürsten Sansaraidordschi in der heutigen Stadt Tschoibalsan (Bajan-Tumen) im Ost-Aimak der heutigen Mongolischen Volksrepublik; dieses Kloster besass sogar einen Geser-Tempel.

Das Dschagchar-Tsam - Erlik-Tsam

Das ist der "Tanz des Eisernen Palastes". Die Hauptfigur in diesem "Tsam" ist Erlik Nomun Khan, der Gesetzeskönig, der auch Tshoijoo (Todesgott) genannt wird. Hierbei handelt es sich um den alten, von den Schamanen benutzten, mongolische Namen für den Todesgott, der bei Übersetzungen buddhistischer Texte für Yama eingesetzt wurde.

 
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  Musik und Instrumente
  Die Musikanten stellen sich beim Tsam-Spiel in zwei Reihen hintereinander auf. Tschinellenschläger und Trommler sitzen in der ersten Reihe. Dahinter stehen die beim Tanz tonangebenden Bläser sowie die Zimbelschläger.

Verwendete Instrumente:

- Zimbeln = kleine Klangbecken (mongolisch: Tsan). Sie sehen wie kleine Messingdeckel aus, in deren Mitte knopfförmige Handgriffe angebracht sind.

- Tschinellen = große Klangbecken (mongolisch: auch Tsan). Das sind aus Glockenmetall angefertigte Deckel mit knopfförmigen Handgriffen in der Mitte.

- Denshig = Klangbecken (sie werden nur in der Mongolei verwendet). Das sind zwei ausgebeulte Messingteller, deren Griffe (Knäufe) durch einen kleinen Riemen verbunden sind. Bei den Gottesdiensten schlägt ein Lama zwei Tellerchen gegeneinander, was einen dem Anschlag eines Glöckchens ähnlichen Ton erzeugt, der aber bedeutend weicher und melodischer ist.

- Pauken oder große Trommeln (mongolisch: Hengereg). Das sind die Hauptinstrumente des Orchesters. Daneben gibt es auch kleinere, auf mongolisch Damar genannte Trommeln, die verschieden abgestimmt sind. Sie sind bemerkenswert breit. Die Trommelschlegel sind oft s-förmig gebogen und enden manchmal in einem See- oder Meerelefantenkopf.

- Tibetisches Langhorn = Trompete (mongolisch: Ikh buree). Die aus Kupfer gearbeiteten Trompeten haben eine Länge von zwei bis fünf Metern. Sie geben einen schauerlichen Basston, den man langsam an- und abschwellen lässt.
Nach einer Legende wurden Padmasambhava diese Instrumente von seinen indischen Freunden verehrt, um ihm einen Ersatz für das Brüllen der himmlischen Elefanten zu bieten, das zu hören er in Odijana, wohin man ihn eingeladen hatte, keine Gelegenheit fand.

- Lavai = weisse Muschel (mongolisch: Tsagaan buree). Weisse Muscheln, deren Windungen von links nach rechts verlaufen, werden als Glückssymbol angesehen und sind deshalb besonders gesucht. Um auf ihnen blasen zu können, werden sie mit einem Messingmundstück versehen. Eine lamaistische Legende besagt, dass Buddha selbst dieses Instrument dem Drachenkönig geschenkt habe.

- Flöte aus Menschenknochen (mongolisch: Gangling). Ihrer Form nach gleichen sie einer Oboe. Schallöffnung und Mundstück sind in Silber oder Gold eingefasst. Sie finden auch als Kultgegenstand Verwendung. Man soll sie aus den Oberschenkelknochen von Menschen anfertigen, die entweder einem sehr hohen oder sehr niederen Stand angehören, an einer ansteckenden Krankheit starben oder einem Mörder zum Opfer fielen. "Die grösste magische Wirkung besitzt aber angeblich ein Gangling, den man aus dem linken Oberschenkelknochen einer sechzehnjährigen, der Priesterkaste angehörenden Inderin, anfertigte."

- Trompete (mongolisch: Bishgüür). Eine aus Kupfer hergestellte und reich mit Ornamenten verzierte Trompete.

 
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  Masken
  Die überlebensgroßen Masken der Gottheiten werden über den Kopf gestülpt und bedecken das ganze Gesicht. Die Masken, welche Menschen darstellenden, sind nur Gesichtsmasken von natürlicher Größe. Zur Anfertigung der Masken wird sowohl eine Masse aus Papiermaché (auch in der Mongolei), wie auch dünnes, getriebenes Kupferblech verwendet. In Gegenden, in denen es mehr Holz gibt als im tibetischen Hochland, so in Sikkim und Bhutan, sind die Masken aus hartem Holz geschnitzt. Dort würde das feuchte Klima die Papiermasse bald zerstören. Die Tuwiner hingegen fertigen ihre Masken aus Leder an.

Zur Maske wird oft eine Perücke aus Yakschwanzhaar getragen. Die Masken sind meist bunt bemalt. Die Farbgebung bei Maske und Gewand entspricht alter Überlieferung und deckt sich mit der lamaistischen Ikonographie.

Der Weisse Alte - Old White Man. Die Mongolen verehren den alten Mann. Er ist ursprünglich der Ahnherr der Geschlechterverbände. Er gilt auch als Hüter der Herden und Spender der Ernte. Die Figur lässt sich in vielen Gebieten Asiens nachweisen. Er ist ein Fruchtbarkeitsgott und auch Symbol für ein langes Leben. Christliche Burjaten sehen in ihm den Heiligen Nikolaus, bei den Schamanisten ist er Pan, der Geist der Erde. Im Tsam spielt er eine Clownrolle wie der chinesische Mönch Hoschang mit seinen Kindern und verteilt Süßigkeiten.

Die Maskenkostüme sind sehr farbig und mit zahlreichen gestickten Ornamenten verziert. Die Kostüme der Göttermasken werden aus kostbaren Stoffen, zumeist aus Brokat- oder Atlasseide angefertigt, während die Stoffe für die Kostüme der anderen Masken meist aus Wolle oder Baumwolle sind.

- Maskenkleid Der Schnitt der Maskenkleider ist eigenartig. Die Aermel laufen an ihrem Ende in einen Spitz aus und sind weit geschnitten, damit darin Waffen und andere Gegenstände aufbewahrt werden können. Die riesigen Kragen (Schulterumhänge) fallen bis über die Schultern. In der Mitte der breiten Schürzen werden religiöse Symbole aufgenäht.

- Schulterumhang (mongolisch: Modig)

- Schürze (mongolisch: Dodig)

 
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