Dschingges Khan
       
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Einleitung

Tschingis - Khan war einer der erfolgreichsten Eroberer der Weltgeschichte. Er war Herrscher über das größte Reich, das je in der Lebensspanne eines einzelnen Menschen entstand.

Er war es, der einen Haufen sich bekriegender Mongolen-Stämme vereinte und sie zu einem gut organisierten, mächtigen Reich verband. Mit seinen Eroberungszügen unterwarf er die mächtigsten Kulturstaaten Asiens und drang schließlich weit bis nach Europa vor. Sein Reich, an dessen unangefochtener Spitze er stand, erlangte dadurch eine flächenmäßig gewaltige Ausdehnung.

Sein Charakter wurde vor allem durch das harte Leben in der Steppe geprägt. Er galt als entschlossen und zielstrebig, war aber nicht starrköpfig, sondern schätzte auch den Rat anderer. Er handelte meist klug und wohlüberlegt und erwies sich als geschickter Herrscher, der Ereignisse für sich zu nutzen verstand. Seine Untertanen schätzten seine Ehrlichkeit, Gerechtigkeit und Großzügigkeit.

Auf der anderen Seite war Tschingis - Khan gefürchtet als erbarmungsloser Eroberer. Gnadenlos massakrierte er jene, die sich ihm widersetzten. Wenn er Rache übte, geschah es mit unerbittlicher Grausamkeit. Er scheute sich nicht, sich unnachgiebig mit brutaler Gewalt durchzusetzen, wenn es die Ehre erlaubte oder es sich später legitimieren ließ. Denn auch wenn es ihm vielleicht von Nutzen gewesen wäre, handelte er nicht hinterhältig oder verräterisch. Ein Zitat Tschingis - Khans, das man in vielen Variationen findet, ist bezeichnend: "Das höchste Glück des Mannes ist, seine Feinde zu zerschlagen, sie vor sich herzujagen, ihnen all ihren Besitz zu entreißen, in Tränen die Wesen zu sehen, die ihnen teuer sind und ihre Frauen und Töchter in seine Arme zu drücken."

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Die "Geheime Geschichte"

Ogodai, der dritte Sohn Tschingis - Khans und sein Nachfolger als Großkhan der Mongolen, ordnete in seinen letzten Lebensjahren an, die Geschichte seines Vaters niederzuschreiben. Der "Ursprung des Herrschers" entstand 1240 und wurde später die "Geheime Geschichte der Mongolen" genannt, denn das Werk war nicht allgemein zugänglich, sondern durfte nur von den Regierenden eingesehen werden. Daher ist die "Geheime Geschichte" heute auch die wertvollste Quelle für die Geschichte der Mongolen. Denn im Gegensatz zu der offiziellen Chronik, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstand, gibt sie auch die für das Herrscherhaus unangenehmen Ereignisse wahrheitsgemäß wieder. Der offizielle Schreiber, Raschid al-Din, der die Geheime Geschichte nicht einsehen durfte, verschweigt oder beschönigt diese Ereignisse.

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Die Vorfahren Tschingis - Khans

"Der Urahn Tschingis - Khans war ein vom hohen Himmel erzeugter, schicksalserkorener grauer Wolf. Seine Gattin war eine weiße Hirschkuh. Sie kamen über den Tengis-See, und an der Quelle des Onon-Flusses beim Berg Burhan Chaldun  wählten sie ihren Lagerplatz, wo ihnen ein Kind geboren wurde, Batatschichan."

Mit dieser Legende beginnt die Geheime Geschichte. Während der Wolf Sinnbild für kriegerischen Geist und wilde Kraft war, wurde, wie bei vielen anderen Völkern auch, die Hirschkuh als Ahnmutter angesehen. Auch Tschingis - Khans göttliche Verbundenheit wird mit diesen Worten dargestellt, denn der hohe Himmel (Tengri), von dem der Wolf erzeugt wurde, war der Weltengott selber.

Batatschichan war Stammvater zahlreicher Häuptlinge bis hin zu Dobun, dem Klugen, der mit Alan-qo'a, der Schönen verheiratet war. Nach Dobuns Tod gebar Alan-qo'a noch drei weitere Söhne. Vermutlich um deren leiblichen Vater zu decken, behauptete sie, einen goldenen Lichtstrahl empfangen zu haben, der als göttlicher Vater der Söhne galt. Der dritte Sohn war Bodontschar und ist eine historisch gesicherte Gestalt. Einer seiner Nachfahren war Jesügei Ba'atur, der Vater Tschingis - Khans. Ba'atur bedeutet "Ritter" und war die Bezeichnung für den Häuptling eines Klans.

Eines Tages begegnete Jesügei einem Mann namens Tschiledu vom Stamm der Merkiten. Diesem war gerade eine Frau der Qongiraten versprochen worden. Jesügei gefiel diese Frau, und er beschloß, sie zu rauben. Ihr Name war Ho'elun, und obwohl sie sich bitterlich beklagte, bemühte sie sich, Jesügei eine gute Ehefrau zu sein. Die eigentliche Hauptfrau Jesügeis, mit der er zwei Söhne hatte, Bekter und Belgütei, wurde durch sie in den Hintergrund gedrängt.
Die Merkit werden sich später für diesen Brautraub rächen.

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  Geburt und Jugend

1162, als Jesügei nach einem Kampf gegen die Tataren, einem verfeindeten Stamm, mit einigen Gefangenen nach Hause kam, empfing Ho'elun ihr erstes Kind. Sie gaben ihm den Namen eines der Gefangenen: Temudschin. Das bedeutet "scharfer Stahl" und lässt vermuten, daß der Namensträger Schmied war. Nach der Geburt hielt Temudschin, der spätere Tschingis - Khan, einen edelsteinförmigen Klumpen geronnenen Blutes in der Hand. Der Schamane des Klans sah das als Zeichen, dass Temudschin ein gewaltiger Krieger werden würde. Und er sollte Recht behalten...

Temudschin gehörte dem Volk der Mongolen an, das aber noch keine eigene Nation bildete, sondern in viele Klans (omuk) und Unterklans (yasun) zersplittert war, die in ständigem, oftmals kriegerischem Streit miteinander lagen. Unter Kabul Khan, dem Großvater Jesügeis, hatte es im 11. und 12. Jahrhundert schon einmal erste Einigungsversuche gegeben, doch die Gemeinschaft hatte nicht lange Bestand. Um 1160 zerbrach sie, nachdem die Mongolen von einem Bündnis zwischen den Chin und den Tataren geschlagen worden waren.

Temudschin selbst stammte aus dem Klan der Bordjigin (Wildentenleute) und dem Unterklan der Qiyat. Grundsätzlich konnte man die Klans in Jägerstämme in den Waldgebieten und nomadische Hirtenstämme in den Steppen unterteilen. Jedoch waren die Übergänge oft fließend. Während man bei den Hirtenstämmen eine ausgeprägte Aristokratie vorfand, standen die Waldstämme unter besonderem Einfluss der Schamanen.

Wie alle Kinder, übte sich Temudschin schon früh im Reiten und Bogenschießen. Er lernte einen Jungen namens Dschamucha kennen, und die beiden wurden gute Freunde. Später schlossen sie sogar Schwurbruderschaft, um ihre Freundschaft zu besiegeln.

Temudschin war neun Jahre alt, als sein Vater ihn für alt genug hielt, ihm eine Ehefrau zu suchen. Die Mongolen heirateten schon in sehr frühem Alter und waren exogam. Das heißt, dass sie nur außerhalb ihres eigenen Klans heiraten durften. Jesügei beschloss, bei dem Stamm der Qongiraten vorzusprechen, dem ja auch seine Frau Ho'elun angehört hatte. Dort hatte man seinen Raub anscheinend vergessen, und man wurde sich einig. Ein Mädchen namens Börte, ein Jahr älter als Temudschin, sollte seine Frau werden, und wie es bei den Mongolen Sitte war, sollte er vor der Hochzeit eine Weile bei den Brauteltern wohnen. Jesügei ritt also alleine wieder nach Hause. Auf seinem Weg traf er auf Tataren, die er um Essen bat. Diese erkannten ihn als Häuptling des Feindes und mischten ihm Gift ins Essen. Jesügei konnte seinen Stamm noch erreichen, doch er merkte, daß sein Ende nahte, und er ließ Temudschin zu sich rufen. Dieser erreichte den Vater nicht mehr rechtzeitig. Als er ankam, war der Vater bereits tot und der Stammesverband in Aufruhr. Ho'elun schien unter den Stammesangehörigen nicht sehr angesehen gewesen zu sein. Der Stammesverband zerbrach, denn mit Jesügei schwand für die meisten die Hoffnung auf Beute und kriegerischen Ruhm. Die Männer des Taidschut-Klans nahmen die Herde mit sich und überließen Ho'elun und ihre Söhne in Armut ihrem Schicksal. Ho'elun gelang es aber, Temudschin und seine fünf Brüder notdürftig zu ernähren, indem sie entlang des Onon Beeren und Wurzeln sammelte.

Um diese Zeit, Temudschin war etwa 14 oder 15 Jahre alt, geschah ein Ereignis, das die offizielle Geschichte verschweigt. Bekter und Belgütei stahlen Temudschin und Chasar einen Fisch. Temudschin, ältester Sohn der Hauptfrau des Vaters, war sich seiner Stellung als richtendes Oberhaupt der Familie bewußt, und er und sein Bruder Chasar erschossen Bekter. Diese Tat kann allerdings nicht mit unseren Moralvorstellungen gemessen werden. Vielmehr spiegelt sie die rauhe Lebensweise in der Steppe und Temudschins kaltes Durchsetzungsvermögen wieder. In der folgenden Zeit bewies Temudschin immer wieder aufs Neue seine Zielstrebigkeit, aber auch Wohlüberlegtheit.

Die Taitschut, die nach Jesügeis Tod den Stammesverband verlassen und gehofft hatten, Temudschin würde in der Steppe nicht überleben, fürchteten nun um ihre Macht. Schließlich war er rechtmäßiger Herrscher. Sie nahmen ihn gefangen, aber nach kurzer Zeit der Demütigung gelang es ihm zu fliehen.

Gemeinsam mit seinem Halbbruder Belgütei, der ihm treu ergeben war, ritt er zu Dei-setschen, dem Führer der Qongiraten, und erinnerte ihn an Börte, die Temudschin in seiner Kindheit versprochen worden war. Dei-setschen war über den Mut, den er bewiesen hatte, erfreut, und er gab ihm Börte zur Ehefrau. Ho'elun erhielt einen schwarzen Zobelpelz. Ein Geschenk mit weitreichenden Folgen.

Temudschin suchte nun einen Verbündeten und Schutzherren. Er versuchte es bei Toghril, dem Fürsten der Keräit, der Schwurbruder seines Vaters Jesügei gewesen war. Temudschin überbrachte ihm den Zobelpelz als Geschenk, und Toghril willigte ein. Er versprach, Temudschin zu helfen, sein zerstreutes Volk zu sammeln.

Temudschin genoß nun hohes Ansehen. Zwar war er nur ein Vasall des Toghril, doch er war nicht mehr nur auf sich und seine Brüder gestellt. Aber die Merkit störten den Frieden. Sie hatten nicht vergessen, wer damals einem Stammesangehörigen die Frau geraubt hatte. Eine Reiterschar ihres Klans überfiel die Gemeinschaft. Temudschin floh mit seiner Mutter und seinen Brüdern. Auch für seine Diener und das Gepäck waren Pferde vorhanden. Für Börte aber fehlte ein Pferd, und zusammen mit der Mutter Belgüteis und einer Dienerin fiel sie in die Hände der Merkit.

Dies war ein weiterer dunkler Punkt im Leben Tschingis - Khans. In der offiziellen Chronik Raschid al-Dins sucht man diesen Vorfall vergebens, und auch in der Geheimen Geschichte wird er nicht weiter kommentiert. Temudschin hatte höchst unedel, aber wahrscheinlich auch überlegt gehandelt. Denn mit der Gefangennahme Börtes sahen die Merkit ihre Rache als erfüllt an, und ließen von der Verfolgung Temudschins ab. Börte wurde dem jüngeren Bruder Tschiledus, Tschilger-Boko, gegeben, denn er selber war bereits gestorben.

Nachdem Temudschin dem Berg Burhan Chaldun für sein Entkommen gedankt hatte, wollte er versuchen, seine Frau Börte zu befreien. Dazu besaß er jedoch bei weitem nicht genug Krieger. Sein Verbündeter Toghril kam ihm zur Hilfe und auch Dschamucha, Häuptling der Djadjirat, mit dem er als Kind Schwurbruderschaft geschlossen hatte, bot ihm Unterstützung an, denn er hatte noch eine persönliche Rechnung mit den Merkit offen. Mit 40 000 Mann schlugen sie den verfeindeten Klan. Die Männer wurden massakriert, Frauen und Kinder vergewaltigt und versklavt.
Börte war damit befreit, und einige Zeit später gebar sie ihr erstes Kind. Es wurde nie geklärt, ob Temudschin oder der Merkit Tschilger-Boko der Vater des Kindes war, das Dschotschi genannt wurde. Temudschin machte jedoch keinen Unterschied zwischen seinen Söhnen.

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Aufstieg zum Tschingis - Khan

Temudschin war nun zwanzig Jahre alt und hatte ein Ziel vor Augen: Das vereinigte Volk der Mongolen zu regieren. Er agierte sehr geschickt. Einzelpersonen und Sippen schlossen sich ihm an. Die Großzügigkeit, die er seinen Gefolgsleuten zu teil werden ließ, sprach sich schnell herum. Und auch, dass er sich als vom mächtigen Himmel gezeichnet ansah, zeigte bei den abergläubischen Nomadenstämmen seine Wirkung. Die meisten, die sich ihm anschlossen, erhofften sich ein freieres und besseres Leben als unter ihren vorigen Häuptlingen. Von Dschamucha, seinem Schwurbruder, den er nun als Rivalen fürchtete, trennte er sich verstimmt aber in Frieden. Qortschi vom Klan der Ba'arin berichtete, er hätte ein "himmlisches Zeichen" erhalten, dass ihm bedeutete, sich Temudschin anzuschließen. Als Dank bot ihm Temudschin an, er würde Fürst über zehntausend, doch Qortschi zog es vor, sich dreißig Frauen aus dem Reich aussuchen zu dürfen.

Um 1190 wandten sich schließlich die drei vornehmsten Häuptlinge,  Erben der beiden letzten Mongolenkönige, an Temudschin, ordneten sich ihm unter und erhoben Temudschin zum Khan mit dem Titel Tschingis - Khan. Wahrscheinlich auch deshalb, weil er als sehr traditionsbewusst galt und damit "lenkbarer" schien als der neuerungssüchtige Dschamucha.

Über die Herkunft und Bedeutung des Namens "Tschingis - Khan" ist man sich nicht einig. Einiges spricht dafür, dass es vom türkischen Wort "tengis" (Ozean, Meer) abgeleitet ist. Das entsprechende mongolische Wort "Dalai" wurde den Nachfolgern Tschingis - Khans und geistlichen Würdenträgern (Dalai Lama) als Titel verliehen. Der Ozean ist der Baikal-See, das Meer der Mongolen, das in der Ursprungsgeschichte eine Rolle spielte.

Zu dieser Zeit gebot Tschingis - Khan über 13 Lager mit etwa 30 000 Mann. Von seinem Ziel, dem vereinigten Mongolenreich, war er allerdings noch immer weit entfernt. Er bemühte sich nun, schnell Ordnung in seinem Verband herzustellen. Treue Gefolgsleute belohnte er großzügig mit ämtern und Würden. Er verteilte Aufgaben, berief Leibwachen, Mundschenke und Köche und setzte zur Nachrichtenübermittlung "Pfeilboten" ein.

Toghril, der nun zusehen musste, wie sein Vasall mehr und mehr an Macht gewann, reagierte Zurückhaltend. Er war ein eher schwacher und bequemer Herrscher, der die Tragweite der Ereignisse wahrscheinlich nicht erkannte. Außerdem bemühte sich Tschingis - Khan nun mehr denn je ihm ein treuer Vasall zu sein, obwohl Toghril kein Skrupel zu haben schien, ihre Vereinbarungen hin und wieder zu brechen.

Dschamucha jedoch, der seinerseits gerne Khan der Mongolen geworden wäre neidete Tschingis - Khan seinen Titel. Schon bald war ein Anlaß zum Krieg gefunden: ein gewöhnlicher Pferdediebstahl, bei dem der Dieb, Angehöriger des Stammes Dschamuchas getötet worden war. Beide zogen mit etwa 30 000 Kriegern in die Schlacht, und Tschingis - Khan erlitt eine Niederlage, von der er sich erst mehrere Jahre später erholte. Die Geheime Geschichte übergeht diesen Zeitabschnitt. Es wird jedoch vermutet, dass Tschingis - Khan bei den Chin Zuflucht fand.

Die Chin, die einst noch die Tataren gegen das schon einmal vereinte mongolische Volk unterstützt hatten, änderten nun ihre Bündnispolitik. Sie sahen nun die Tataren als Bedrohung an und baten um Unterstützung der Keräiten unter Toghril. Tschingis - Khan bemühte sich, seine Pflichten als Vasall zu erfüllen und begleitete ihn. Außerdem waren es ja die Tataren gewesen, die die Einigung unter seinem Großvater zerschlagen und außerdem seinen Vater ermordet hatten. Die Tataren wurden geschlagen und Toghril erhielt den chinesischen Titel Wang (König) Khan. Tschingis - Khan musste sich mit dem eher bescheidenen Titel Dscha'utguri zufrieden geben. Immerhin war dies das erstemal, dass er in den Annalen des Goldenen Imperiums auftauchte.

Tschingis - Khan machte sich nun daran, die Stämme, die ihn bei seinem Feldzug nicht begleitet hatten zu bestrafen. Dies war ihm eine willkommene Vorwand, sich seiner möglichen Konkurrenten zu entledigen, denn theoretisch hätte jeder Nachfahre Kabuls Anspruch auf das Khanat erheben können. Also ließ er den Häuptling Sätchä-bäki und die Fürsten Taitchun und Buri-bökö hinrichten.

Das Bündnis zwischen Tschingis - Khan und Toghril nützte wahrscheinlich hauptsächlich dem Keräitenfürsten. Nachdem er Tschingis - Khan gegen seine Feinde geschützt hatte, war dieser schon bald in der Lage, seinem Schutzherren ähnliche Dienste zu erweisen. Als Toghril aus seiner Macht verdrängt worden war, fand er schließlich Asyl bei Tschingis - Khan, der ihn bei sich aufnahm und ihm half, die Macht über die Keräiten wiederzugewinnen. Außerdem hatte er einem Bruder Toghrils, der Zuflucht bei den Chin gefunden hatte, eine Eskorte geschickt, um ihn sicher nach Hause zu bringen. Toghril dagegen verletzte ihr Bündnis häufiger. So führte er unter anderem einen Beutezug gegen die Merkit, ohne Tschingis - Khan zu informieren oder die Beute mit ihm zu teilen. Als Toghril ihn dann aufforderte, gegen die Naiman unter Buyurug zu ziehen, half er ihm trotzdem.

Bei einem Gegenangriff der Naiman, floh Toghril mit seinen Keräiten, ohne Tschingis - Khan vorher zu informieren, und dieser mußte seinerseits fliehen. Als die Naiman schließlich ins Land der Keräiten einfielen, erwies sich Tschingis - Khan erneut als treuer Vasall. Er sandte seine "Vier Großen Krieger", denen es gelang, Toghrils Sohn Sanggun zu retten, die Naiman zu vertreiben und das erbeutete Vieh Zurückzubringen.

Am Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts stritten also drei Fürsten um die Macht über die Mongolen: Tschingis - Khan, sein einstiger Schwurbruder Dschamucha und sein Schutzherr Toghril. Wegen familiärer Streitereien verlor Toghril jedoch mehr und mehr an Bedeutung, während Tschingis - Khan und Dschamucha ihre Macht festigen konnten. Anders als Dschamucha, der als eher unzuverlässiger Verbündeter galt, hatte sich Tschingis - Khan als unerschütterlicher Beschützer erwiesen. Aber manche Stämme wurden von seiner Zähheit und seinem Durchsetzungsvermögen auch abgeschreckt, denn sie fürchteten um die Unabhängigkeit ihrer Klans. Also unterstützten sie Dschamucha und riefen ihn 1201 zum Gur Khan (Gesamt- oder Alleinherrscher) aus. Aber auch Tschingis - Khan hatte noch immer zahlreiche Klans unter sich vereinigt, und er rächte sich nun an den Stämmen, die seine Treue mißbraucht und ihm den Rücken zugekehrt hatten. Gemeinsam mit Toghril wurde das Volk der Tangut geschlagen. Die Taitschut, die ihn nach dem Tod seines Vaters im Stich gelassen, danach sogar gefangen genommen und gedemütigt hatten, wurden geschlagen und ausgelöscht. Bei diesem Feldzug lernte traf Tschingis - Khan zum ersten mal auf Dschebe. Dieser hatte zwar auf der Seite des Feindes gestanden, jedoch vergab ihm Tschingis - Khan und er wurde später einer seiner besten Feldherren.

Vor einem erneuten Feldzug gegen die Tatar, verbot Tschingis - Khan das Plündern auf eigene Faust. Dies war eine wichtige Regelung, denn nun stand nicht mehr die Beute im Vordergrund, sondern erstes Hauptziel war es, den Feind zu besiegen.
Die Tataren, wurden besiegt. Sie mussten sich am Rad eines Karrens aufstellen, und jeder, der über die Achse ragte wurde enthauptet. Frauen und Kinder wurden versklavt. Die Schwestern Yesugan und Yesui nahm sich Tschingis - Khan zu seinen Frauen.

Verwandte Tschingis - Khans , die, entgegen seinen Anordnungen, auf eigene Faust geplündert hatten, wurde die Beute wieder abgenommen. Sie verließen daraufhin die Stammesgemeinschaft. Wenig später ereignete sich ein Zwischenfall, der anschaulich macht, dass Tschingis - Khan es verstand, auch unehrenhafte Taten zu rechtfertigen. Außerdem zeigt er, dass ihm menschliche Gefühle wie Eifersucht nicht fremd waren. Der Ehemann Yesuis, der bei dem Angriff Tschingis - Khans hatte fliehen können, schlich sich in Tschingis - Khans Lager, um seine Frau wiederzusehen. Diese zuckte leicht zusammen, als sie ihn erblickte, und Tschingis - Khan wurde misstrauisch. Er ließ alle seine Gefolgsleute nach Stammeszugehörigkeit aufstellen. Der Tatar blieb übrig und wurde als Spion enthauptet.

Tschingis - Khan war nun vierzig Jahre alt und noch immer Vasall des um einiges älteren Toghril. Dieser schien nicht abgeneigt, Tschingis - Khan eines Tages die Führungsgewalt zu überlassen. Um diese Entscheidung zu festigen, plante Tschingis - Khan seinen Sohn Dschotschi mit Toghrils Tochter Tscha'ur-Beki zu verheiraten. Doch Toghrils einziger Sohn, Sanggun, erhob Einspruch und das Angebot wurde abgelehnt. Nach dieser Beleidigung mußte das Bündnis der beiden früher oder später zerbrechen.

Dschamucha konnte diese Situation für sich nutzen. Er verbündete sich mit Sanggun und gewann so großen Einfluss. Auf Drängen der beiden beendete Toghril 1203 offiziell sein Bündnis mit Tschingis - Khan. Zahlreiche Kämpfe folgten und brachten Tschingis - Khan von Zeit zu Zeit in Bedrängnis, doch er schaffte es immer wieder, Zurück in den Mittelpunkt zu kehren. Und schließlich gelang es ihm, in dreitägiger Schlacht die Keräiten zu schlagen. Toghril und Sanggun flohen. Auf der Flucht wurde Toghril von den Naiman erschlagen. Die Keräit wurden versklavt und Dschotschi erhielt wahrscheinlich die Frau, die ihm vorher versagt worden war.

Tschingis - Khan hatte nun die Vorherrschaft über den Osten, doch westlich über den Altai hinaus bis hin zum Balchasee, hatten die kulturell überlegenen Naiman die Macht. Sie besaßen bereits eine Schrift, die sie von den Uighuren übernommen hatten. Dschamucha und andere Widersacher Tschingis - Khans hatten sich unter den Naiman versammelt und auf deren Drängen griff ihr Herrscher, der Tajang, an, denn er war sich sicher, leichtes Spiel zu haben. Seine Frau riet ihm zwar von seinem Plan ab, aber nicht, weil sie Zweifel an der Überlegenheit der Naiman hatte, sondern weil die Mongolen einen schlechten Geruch hätten, und deswegen bleiben sollten, wo sie waren.

Schließlich kam es zum Krieg, und wieder einmal bewies sich Tschingis - Khan taktisches Geschick. Um seine Gegner mit der Größe seines Heeres einzuschüchtern, ließ er zahlreiche Puppen aufstellen und Lagerfeuer entfachen. In den Vorbergen des Altai kam es zur entscheidenden Schlacht. Tschingis - Khans neue Schlachtordnung zeigte Erfolg: Marschordnung "dichtes Gras", Aufstellung in der Formation "See" und Kampfform "Bohrer".

Die Geheime Geschichte beschreibt dieses letzte Gefecht wie folgt: "In jener Nacht brachen die Naiman auf und versuchten zu entkommen. Sie stürzten vom Felsen, drängten sich einer über den anderen, und dann fielen sie zusammen hinunter, daß die Leichen zerschmettert dalagen. Wie gestürzte Bäume hingestreckt, starben sie dicht aneinandergepresst." Der Tajang wurde gefangen genommen und Tschingis - Khan nahm seine Frau höhnend in Besitz. Im Herbst wandte sich Tschingis - Khan erneut gegen die verfeindeten Merkit. Die Kämpfe zogen sich zwar in die Länge, aber er hatte keine weiteren Stämme mehr zu fürchten.

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  Im Frühjahr 1206 erreichte Tschingis - Khan endlich sein Ziel. Ein Reichstag fand an der Quelle des Onon statt. Tschingis - Khan wurde zum Herrscher aller Stämme ausgerufen. Er war nun Herrscher über ein Reich, das aus etwa 2 Millionen Menschen und über 30 verschiedenen Völkerschaften bestand, und er gebot über ein 100 000 Mann starkes Heer.

Die bitteren Erfahrungen mit der Unbeständigkeit der Verwandtschaft, der Steppenpolitik und der stammesgebundenen Kriegsführung hatten Tschingis - Khans Strategie und Organisation geprägt. Der geschickte Einsatz traditioneller Mittel wie Heiratsverbindung, Allianzen und Schwurbrüderschaften, vor allem aber die Gewinnung von Gefolgsleuten, deren Loyalität ausschließlich seiner Person galt, waren Grundlage für seine jetzige Position gewesen. Außerdem spielten seine bemerkenswerten Erneuerungen sicher eine wesentliche Rolle. Unter anderem belohnte er seine Gefolgsleute nach Verdienst und Leistung und nicht nach ihrer Herkunft. Jeder konnte in den Genuss von einflussreichen Stellungen und hohem Ansehen kommen.

Er begann auch sogleich, seine treuen Gefolgsleute zu belohnen, und sein Reich straff zu organisieren. Es lag ihm vor allem daran, seine absolute Macht zu festigen und jegliche Konflikte, die die Einigung der Stämme gefährden konnte, zu vermeiden. Die Stammesorganisation wurde weitgehend zerschlagen, um mögliche Aufstände oder Abgrenzung einzelner Stämme zu unterbinden. Unterworfene Stämme wurden auf das Reich aufgeteilt. Sein Volk teilte er konsequent in Einheiten zu zehn, hundert und tausend Familien auf. Außerdem wurde er als Gesetzgeber tätig. Um seine Gesetze festzuhalten und besser verbreiten zu können führte er nach dem Vorbild der Naiman eine Schrift ein, die er ebenfalls von den Uighuren übernahm. Seine Gesetze wurden in der Yassa gesammelt, die seine Nachfolger weiter ergänzten. Auch hier spiegelt sich Tschingis - Khans Angst vor kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den einst unabhängigen Stämmen. Mord, Raub und auch Ehebruch wurden unter Todesstrafe gestellt. Ehebruch mit einer Sklavin oder der Angehörigen einer fremden Nation blieb aber straffrei. Alle anderen Straftaten wurden entweder mit der Todesstrafe oder mit Stockschlägen geahndet. Dies schien anscheinend Wirkung zu zeigen, denn der Franziskaner Johann von Carpin schrieb vierzig Jahre später in seinem Reisebericht:

"In der ganzen Welt gibt es keine gehorsameren Untertanen als die Tataren (gemeint sind die Mongolen). Sie sind gehorsamer noch als unsere Ordensbrüder gegenüber ihren Oberen, Sie erweisen ihren Herren mehr Ehrfurcht als alle anderen Leute und wagen es nicht leicht, sie anzulügen. Selten oder niemals stoßen sie Scheltworte gegeneinander aus, nie jedoch artet Zank in Tätlichkeiten aus, auch dann nicht, wenn sie betrunken sind, und sie betrinken sich viel. Krieg, Streit, Körperverletzung und Totschlag kommen unter ihnen nie vor, und Menschen, welche Räuberei und Diebstahl im großen Stil betreiben, findet man bei ihnen nicht. Daher haben sie an ihren Truhen weder Schloss noch Riegel. Wenn Vieh verloren geht, so überlässt es der Finder seinem Schicksal, oder er bringt es zu den Personen, die ausdrücklich dafür angestellt sind. Einer erweist dem anderen die schuldige Achtung; sie sehen sich untereinander fast als Glieder einer Familie an."

Diese Einschätzung relativiert Carpin jedoch einige Zeit später. Außerdem verurteilt er die grausamen Raubzüge der Mongolen. Zur schnellen Nachrichtenübermittlung führte Tschingis - Khan einen Postdienst ein. Danach waren einige Bauern verpflichtet, stets Pferde und Proviant bereitzuhalten. Missachtung dieser Pflicht wurde mit der Todesstrafe geahndet.

Tschingis - Khans militärischer Erfolg beruhte zum einen auf der schnellen Beweglichkeit seiner Reiterarmee und zum anderen auf seinem strategischen Geschick. Er griff nie an, ohne sich vorher sorgfältig auf die Schlacht vorzubereiten, und er verstand es, Kriegslisten geschickt einzusetzen. Zusätzlich waren seine Krieger hoch diszipliniert, denn Krieger, die ohne einen entsprechenden Befehl flohen wurden, genauso wie Krieger, die nicht sofort in den Kampf eintraten, mit dem Tode bestraft. Seinem Sohn Dschotschi gab er als ersten verantwortungsvollen Auftrag, die Kirgisen und die Oyrad zu unterwerfen. Sie unterwarfen sich kampflos.

1207 belagerte Tschingis - Khan die Stadt Wolohai. Mit einer List nahm er sie ein. Er versprach, gegen die Übergabe von Katzen und Schwalben, von einer Belagerung abzusehen. Die Herren der Stadt gingen auf das Angebot ein, doch Tschingis - Khan ließ die Tiere entzünden und Zurück in die Stadt jagen. Die Stadt brannte nieder und wurde eingenommen. Auch die Stadt Ning-hsia wurde belagert. Man versuchte, den nahegelegenen Fluss umzuleiten, doch das Wasser überflutete das Lager der Mongolen. Trotzdem erklärte sich der König der Tanguten - zumindest zum Schein - zu Verhandlungen bereit. Er war zwar nicht bereit, wie von Tschingis - Khan erhofft, Hilfstruppen für die nächsten Feldzüge zu stellen, jedoch gab er ihm, als Zeichen der Unterwerfung, seine Tochter zur Frau.

1209 boten die Uighuren Tschingis - Khan ihre Dienste an. Bald wurde auch ein Anlass gefunden, gegen die Chin zu Felde zu ziehen. Ein Machtwechsel hatte in China stattgefunden. Ein Bote wurde zu Tschingis - Khan geschickt, der für die Chinesen immer noch als Untergebener galt, der einst einen chinesischen Titel erhalten hatte. Er weigerte sich jedoch, die Mitteilung des Kaisers mit einem Kniefall (Kotau) entgegenzunehmen. 1211 kam erneut der Reichstag zusammen, und nachdem Tschingis - Khan die Huldigung aller unterworfenen Völker entgegengenommen hatte, verkündete er seinen Plan, China zu überfallen. Er versprach sich davon reiche Beute und vor allem Sicherheit für seinen Staat, denn seine immer größer werdende Macht musste früher oder später unweigerlich auf Missfallen der Chin stoßen. Die Hauptstadt Peking wurde zweimal belagert und schließlich eingenommen. Die Mongolen richteten ein Blutbad an und legten große Teile der Stadt in Schutt und Asche. Die Plünderungen dauerten vier Wochen.

Tschingis - Khan war willig, von anderen zu lernen. Er ließ Weise zu sich rufen, ließ sich den Nutzen von zivilisierten Städten beibringen und ließ sich von den Möglichkeiten, die gute Handelsbeziehungen bieten konnten, überzeugen. Er machte sich also daran, eine Karawane zusammenzustellen und wollte mit dem Sultan der Chorezm Handel treiben. Die Karawane wurde jedoch ausgeraubt und niedergemetzelt. Mit 150 000 Mann zog Tschingis - Khan daraufhin gegen Westen. 1220 nahm er die Städte Buchara und Samarkand ein, 1221 Urgentsch. Daraufhin fiel er in Afghanistan ein, zerstörte oder eroberte die Städte Herat, Nischapur, Merw, Balch und Bamian. Danach kehrte er im Alter von 60 Jahren in die Heimat Zurück.

Seine besten Feldherren, Dschebe und Sübütai, führten das Heer weiter nach Russland und Polen und schlugen schließlich sogar das Heer des deutsch-polnischen Herzogs Heinrich II. von Schlesien. Daraufhin kehrten sie allerdings Zurück, um einen neuen Kahn zu wählen, denn der Nachfolger Tschingis - Khans, Ogodai, war gestorben.

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Tod Tschingis - Khans

Im Jahr 1222 wird Tschingis - Khan, der gerade einen weiteren Feldzug vorbereitete, von seiner Lieblingsfrau Yesui zum ersten mal an seine eigene Sterblichkeit erinnert, denn an seinen Tod hatte der Herrscher bis dahin noch nicht gedacht. In der Geheimen Geschichte sagt Yesui: "Du denkst daran, hohe Pässe zu übersteigen, breite Ströme zu durchqueren, einen weiten Kriegszug zu unternehmen... Doch wenn dein Körper, der dem hohen Baum gleicht, sich zum Fallen neigt, wem willst du dann deine Hanfstengeln gleiche Völker unterstellen?" Darauf antwortete Tschingis - Khan: "Wenn Yesui auch nur eine Frau ist, so hat sie doch etwas sehr richtiges gesagt. Ich selbst habe daran gar nicht gedacht, als ob ich meinen Vorfahren nicht einmal nachfolgen müsste. Ich habe geschlafen, als ob ich nie vom Tod erfasst werden könnte."
Tschingis - Khan wollte seinen ältesten Sohn Dschotschi zu seinem Nachfolger bestimmen, doch er stieß auf Widerstand, und schließlich einigte man sich auf seinen dritten Sohn Ogodai.

1226 brach Tschingis - Khan zu einem letzten Feldzug gegen die Tangut auf. Seine Frau Yesui begleitete ihn. Auf dem Weg, ereignete sich bei einer Jagd ein Unfall. Tschingis - Khan stürzte von einem Pferd und zog sich arge Verletzungen zu. Seinen Feldzug brach er aber nicht ab. Die Tangut wurden geschlagen und niedergemetzelt und verschwanden aus der Geschichte.
Im Jahr 1227 erlag Tschingis - Khan den Verletzungen, die er sich zugezogen hatte, und starb im Alter von 65 Jahren. Sein Grab ist bis heute nicht bekannt.

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