Schlacht am Chalchin Gol

Der Fluss Chalchin Gol liegt im Grenzgebiet zwischen der Mongolei und dem damaligen Mandschukuo.

Die Grenzstreitigkeiten betrafen den Unterlauf des Flusses, der dort von Nord nach Süd läuft, 130 m breit ist und relativ schnell fließt. Die Japaner beanspruchten den Fluss als Westgrenze Mandschukuos, während die Sowjetunion für die Mongolei einen 15 km breiten Gebietsstreifen am Ostufer beanspruchte. 25 km östlich liegt das Städtchen Nomonhan, das – vor allem in Japan – ebenfalls als Namensgeber für den Konflikt dient (ノモンハン事件, Nomonhan jiken, deutsch Nomonhan-Zwischenfall).

Als am 11. Mai 1939 eine Kavallerie-Einheit von etwa 70 bis 90 Soldaten der Mongolischen Revolutionären Volksarmee in der umstrittenen Gegend am Ostufer des Flusses ihre Pferde grasen ließ, wurde sie von Mandschukuo-Truppen vertrieben. Als einige Tage später eine größere Einheit mongolischer Soldaten in das Gebiet einrückte, schafften es die Truppen aus Mandschukuo nicht mehr, diese zu vertreiben. Deshalb wurde die japanische Kwantung-Armee zur Hilfe gerufen, die eine Aufklärungstruppe entsandte.

Die Gegend war für ernsthafte militärische Handlungen ungeeignet, da keinerlei Infrastruktur und Transportwege bestanden. Die Japaner hatten für den Truppen- und Ausrüstungstransport lediglich eine kleine Eisenbahnlinie (mit geringer Kapazität) bis Nomonhan (mit einem sehr kleinen Bahnhof). Der restliche Weg zur Front musste auf einer unbefestigten Straße (ca. 30 km) zurückgelegt werden.

Von sowjetischer bzw. mongolischer Seite stellten sich die Transportmöglichkeiten noch schlechter dar. Die nächste Eisenbahnstation war ca. 350 km entfernt. Die Rote Armee setzte noch am Anfang, als der Konflikt langsam eskalierte, ein Eisenbahnbataillon ein, um eine Bahnstrecke an die Front zu bauen. Dadurch hatte die japanische Seite wenig militärische Kräfte am Konfliktherd, die sie kaum mit Nahrungsmitteln und schon gar nicht ausreichend mit Munition versorgen konnte, während die Sowjetunion ein Vielfaches an Truppen und Kampftechnik (besonders Artillerie) sowie Munition bereitstellen konnte. Die übermacht der Roten Armee war bei der Artillerie dreifach (bei zusätzlich überlegener Qualität der Waffen), bei der Truppenstärke zweifach und den sowjetischen Panzern hatten die Japaner nichts qualitativ Ebenbürtiges gegenüberzustellen.

Josef Stalin ließ einen Plan zur Vertreibung der Japaner ausarbeiten. Nach Zusammenziehungen von sowjetischen und mongolischen Truppen standen die Japaner einer übermacht gegenüber. Bei der ersten ernsthaften Auseinandersetzung starben acht Offiziere und 97 Soldaten, ein Offizier und 33 Soldaten wurden verwundet. Die Kwantung-Armee hielt das Gebiet nun für zu unbedeutend, um weitere Truppen zu opfern.

Nachdem Sowjets und Mongolen bei kleineren Gefechten im Juni einige Mandschukuo-Einheiten angegriffen hatten, erhielt der lokale Kommandant der Kwantung-Armee Generalleutnant Komatsubara Michitarō die Erlaubnis, die Eindringlinge zu vertreiben. Am 1. Juli starteten die Japaner ihre Operationen und schafften es, den Fluss zu überqueren, bis sie am Abend des 3. Juli von den Sowjets wieder zurückgeworfen wurden.

Es folgte eine Waffenruhe, bis am 22. August etwa 50.000 sowjetische Soldaten unter dem Kommando Schukows vom Ostufer des Flusses aus und drei Infanterie-Divisionen mit etwa 70.000 Soldaten mit Unterstützung von Artillerie, Panzern und Flugzeugen die japanischen Elite-Einheiten angriffen.

Die damalige japanische Verteidigungsdoktrin sah vor, dass die Position mit starkem Beschuss zu verteidigen und auf eine Entlastung zu warten sei. Dies war gegen schlecht ausgerüstete chinesische Truppen zwar sehr erfolgreich, aber die sowjetischen Panzer durchbrachen die Linien, schlossen zwei Divisionen ein und rieben die anderen Truppen auf.

Ein Ausbruchsversuch scheiterte am 22. August. Da die Truppen sich nicht ergeben wollten, wurde die 6. japanische Armee bis zum 30. August völlig aufgerieben.

Am 16. September unterzeichneten beide Seiten einen Waffenstillstand und einigten sich auf die existierenden Grenzen. Schukow erhielt für den Sieg das erste Mal (von insgesamt vier Malen) die Auszeichnung „Held der Sowjetunion“.

Auf japanischer Seite kämpften (die 6. japanische Armee):

2 Panzerdivisionen (ca. 60 Panzer mit kurzläufiger 37-mm-Kanone)
4 Artilleriedivisionen
3 Infanteriedivisionen
3 Kavalleriebrigaden
200 Flugzeuge

Auf sowjetisch-mongolischer Seite kämpften:

19 Infanteriedivisionen bzw. Motorisierte Infanteriedivisionen
11 Kavalleriedivisionen
15 Artilleriedivisionen
7 Luftwaffendivisionen
18 Panzerbataillone
13 Bataillone mit gepanzerten Fahrzeugen

Geführt wurden die sowjetisch-mongolischen Truppen von:

1 Frontstab
2 Armeestäben
2 Korpsstäben

Der Ausgang der Kämpfe war durch das asymmetrische Kräfteverhältnis vorbestimmt. Noch vor Unterzeichnung des Waffenstillstandes war eine japanische Division vernichtet.

Von japanischer Seite wurden in dem Konflikt, wie auch später im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg, biologische Waffen eingesetzt, darunter solche, die Aerosole mit Milzbrand-Erregern ausströmten. Erkrankte sowjetische und mongolische Soldaten mussten mit langwieriger Genesung und teils mit Spätfolgen kämpfen.

Die Rote Armee hatte sehr hohe Verluste an gepanzerten Fahrzeugen und Panzern. Die Japaner waren im Abwehrkampf sehr stark und psychologisch gut vorbereitet. Die sowjetische Armeeführung erkannte, dass das Vorrücken mit Panzerverbänden und gepanzerter Technik ohne gleichzeitige Unterstützung durch Infanterie und Artillerie sehr hohe Verluste nach sich ziehen kann.
Verluste

Auf Seite der japanischen Armee waren 30.000 Soldaten in dem Konflikt beteiligt, von denen nach japanischen Behauptungen 8.440 starben und 8.766 verwundet wurden. Die Rote Armee hatte 57.000 Infanteristen, 498 Panzer und 346 gepanzerte Fahrzeuge eingesetzt und behauptete, 9.284 Mann seien verwundet oder getötet worden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 wurden jedoch Dokumente veröffentlicht, die eine weitaus größere Zahl von 23.926 Soldaten (6.831 getötet, 1.143 vermisst und 15.952 verwundet) als Verluste angaben.
Folgen

Als Folge des Konfliktes versuchten die Japaner, weiter im Süden ihre Gebiete zu erweitern, und führten den zweiten japanisch-chinesischen Krieg massiv weiter, bis es zum Pazifikkrieg kam. Außerdem sorgte das Ergebnis dafür, dass Japan nicht die Sowjetunion angriff, um das verbündete Deutsche Reich zu unterstützen, so wie es Adolf Hitler eigentlich erwartet hatte. Am 13. April 1941 unterzeichneten Japan und die Sowjetunion einen Neutralitätspakt.

Im August 1945 kam es mit der Operation Auguststurm zu weiteren Kampfhandlungen, als die Sowjetunion, einer Verpflichtung der Alliierten auf der Konferenz von Jalta nachkommend, exakt drei Monate nach Beendigung der Kampfhandlungen in Europa, mit über einer Million Soldaten die japanische Armee in der Mandschurei angriff.

1969 folgte ein weiterer bewaffneter Konflikt über die Grenzziehung, diesmal aber zwischen der Volksrepublik China und der Sowjetunion.


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